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Barrierefreiheit für Flure und Innentüren

14.11.2016

Bodenbelag. Foto: Haro

Foto: Haro

Ein bodenebener Eingang erleichtert schon einmal den Transport schwerer Einkaufstüten, auch der Kinderwagen lässt sich dadurch deutlich einfacher in den Flur bewegen. Haben dann noch die Innentüren ein lichtes Maß von 90 Zentimetern Breite, besitzen Sie bereits ein mit dem Rollstuhl befahrbares Haus. 

Generell sollte auf verwinkelte, enge Flure verzichtet werden. Ein Tipp, der eigentlich für jeden Neubau gilt, schließlich bringen solche Flure keinen zusätzlichen Wohnraum, sondern dienen lediglich als reine Verkehrsflächen. Unvermeidbare Verkehrsflächen sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein. Praktisch sind Räume, die sich offen aneinandergliedern und dadurch genug Bewegungsfläche vor Türen und Treppen bieten. Bei einer Bewegungsfläche von 150 mal 150 Zentimetern lassen sich Kinderwägen und Rollstühle wesentlich leichter rangieren.

Für Sicherheit, nicht nur im Flur, sorgen kontrastreiche, rutschfeste Böden (zum Beispiel rutschhemmende Fliesen). Potenzielle Sturzquellen sollten generell vermieden werden. Wenn beispielsweise der Läufer im Korridor auf glattem Unterboden zur Rutschpartie einlädt oder seine aufstehenden Kanten zur gefährlichen Stolperfalle werden. Treffen an Türen unterschiedliche Bodenbeläge aufeinander, sollten keine Niveauunterschiede auftreten.

Der richtig gewählte Fußboden mit einer angepassten, barrierefreien Ausrüstung schafft nicht nur eine angenehme Wohlfühlatmosphäre sondern macht das Wohnumfeld vor allem sicherer. Wichtigster Grundsatz für Fußböden im Wohnbereich: Sie müssen sicher begeh- und befahrbar sein. Ältere und gehbehinderte Menschen brauchen vor allem Bodenbeläge mit Antirutscheigenschaften.

 Elastischer Bodenbelag. Foto: Wineo

Elastische Bodenbeläge in Innenbereichen werden vor allem wegen ihrer guten Gebrauchseigenschaften immer mehr geschätzt. Zunehmend spielen dabei auch Aspekte wie Wohngesundheit und Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Foto: Wineo

Für Rollstuhlfahrer ist ein geringer Rollwiderstand wichtig und die Böden müssen wegen der hohen Belastung besonders robust und strapazierfähig sein. Behinderte Kinder brauchen für das Herumtollen und Spielen weiche und hautangenehme Beläge. Für alle Bodenbelagsarten gilt: Sie sollen pflegeleicht sein.

Auch eine ausreichende blend- und schattenfreie Beleuchtung ist im Flur – so wie natürlich im ganzen Haus – wichtig. Hier gilt es vor allem Sicherheit zu schaffen und für ausreichend Licht an Garderobe und Spiegel zu sorgen, aber auch Lichtakzente zu setzen und einen positiven ersten Eindruck zu vermitteln. Lichtschalter sollten nicht zu hoch über dem Boden installiert werden. In 85 Zentimeter Höhe werden sie auch von kleineren Kindern gut erreicht, für Erwachsene ist diese geringere Höhe ergonomischer. Keinen Schalter mehr benötigt, wer auf eine Lichtquelle setzt, die auf Bewegung reagiert. 

Auch beim Thema Türen lässt sich in Sachen Barrierefreiheit einiges optimieren: Türschwellen werden schnell zu Stolperfallen, schmale Türrahmen können Rollstuhlfahrern den Zugang zu den Räumen erschweren.

Flurbeleuchtung. Fotos: Velux

Auswirkungen einer gute Beleuchtung:  Aus einem ehemals nur mit zwei Einzelleuchten unzureichend beleuchteten Raum wurde ein heller und wesentlich freundlich wirkender Eingangsbereich. Fotos: Velux 

Checkliste Bodenbeläge

  •  rutschhemmend
  • fest und eben verlegt
  • reflexionsarm
  • pflegeleicht
  • antistatisch
  • stuhlrollengeeignet
  • keine Niveauunterschiede zwischen den einzelnen Wohnbereichen
  • Nutzungsklasse 23 in Fluren, Küche und Eingangsbereich

Schiebetüren sorgen für Bewegungsfreiheit

Wichtig ist vor allem, dass Türen deutlich zu erkennen (Sehkraft), leicht zu öffnen und zu schließen (Körperkraft) und sicher zu passieren sind. Eine größere Bewegungsfläche lässt sich durch den Austausch einer regulären Innentür gegen eine Schiebetür erzielen. Wenn der alte Türrahmen beim Austausch entfernt wird, ist mit einer Schiebetür eine Türverbreiterung von bis zu 10 cm möglich. So entsteht genau dort Raum, wo beispielsweise Rollstuhlfahrer ihn brauchen. Schiebetüren lassen sich außerdem kinderleicht mit einem Handgriff öffnen und sicher wieder schließen.

Neben dem Einbau von Schiebetüren eignen sich für den barrierefreien Umbau auch sogenannte raumsparende Falttürsysteme (auch Raumspartüren genannt). Dadurch, dass diese Türen aus einem zweiteiligen Türblatt bestehen, das sich beim Öffnen und Schließen der Tür wortwörtlich „faltet“, verringert sich der Schwenkbereich der Tür und es entsteht mehr Bewegungsfläche vor und hinter der Innentür.

Glastüre. Foto: Kilsgaard

Glastüren sind entweder aus gehärtetem Einscheibensicherheitsglas oder Verbundsicherheitsglas. Dies mindert das Verletzungsrisiko, sollte einmal eine Scheibe zu Bruch gehen. Foto: Kilsgaard

Für fast alle Arten von Türen bieten die Hersteller elektrische Öffnungssysteme an, die Ihnen mithilfe von gut erreichbaren Schaltern weitere Erleichterung schaffen.

Größter Vorteil von Schiebetüren ist ihr geringer Platzanspruch in die Raumtiefe. Im Gegensatz zu Anschlagtüren haben Schiebetüren keinen Schwenkradius. Stattdessen laufen Schiebetüren sichtbar vor der Wand, verschwinden in manchen Fällen sogar in ihr. Letztere Variante ist besonders platzsparend, da vor der Wand Stellflächen für die Möbel erhalten bleiben.

Checkliste Flure und Türen

  • Bewegungsfläche von 1,50 m mal 1, 50 m an der Eingangsstür 
  • Durchgangsbreite von mindestens 1,20 m im Flur
  • Bewegungsfläche vor Garderobenmöbeln einplanen
  • Türbreite von 90 cm vorsehen
  • Türen zum größeren Raum hin aufgehen lassen
  • Türen von Bad und WC immer nach außen aufgehen lassen 
  • und von außen entriegelbar machen
  • Türgriffe in Höhe von 85 cm anbringen
  • bei engen Räumen auf Schiebe- oder Raumspartüren ausweichen
  • Niveauunterschiede und Schwellen im Türbereich vermeiden

(aus der Zeitschrift Komforthäuser 1/2016)