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Gesund leben und wohnen

20.12.2013

Keramikfliesen nehmen weder Hausstaub noch andere Krankheits- und Allergieerreger auf und geben auch keine Schadstoffe ab. (epr/VDF)Hausstaub, Tierhaare, Pollen: Meistens sind Allergiker den körperfremden Stoffen, auf die ihr Immunsystem übersensibel reagiert, schutzlos ausgesetzt. Das ist lästig und anstrengend. Daher sollte das Zuhause umso mehr ein Ort der Erholung sein. Hinzu kommt: Allergikerkinder sind stark gefährdet, später selbst an Allergien zu leiden – die richtige Gestaltung des Eigenheims spielt hier eine entscheidende Rolle.

Der erste Schritt zu einem schadstoffarmen Haus ist das Erstellen einer Liste aller in der Familie relevanten Allergene. Anhand dieser kann ein Bausachverständiger sämtliche Stoffe auflisten, die nicht verwendet werden dürfen und diese können beim Haushersteller vertraglich ausgeschlossen werden. Der Verband privater Bauherren (VPB) rät, die Einhaltung regelmäßig prüfen und sich bei der Hausübergabe alle Inhaltsstoffe verwendeter Materialien dokumentieren zu lassen. Der Rat von Innenraumanalytiker oder Architekt kostet laut VPB etwa 100 Euro pro Stunde plus Laborkosten.

Dann geht es je nach Allergie an die Detailplanung von Grundriss, Technik und Einrichtung. Heuschnupfengeplagte sollten beispielsweise versuchen, das Haus so zu planen, dass möglichst viele Allergene draußen bleiben. Sinnvoll ist, eine Pollenschleuse, eine abgeschlossenen Diele für Jacken und Schuhe sowie eine separate Ankleide vorzusehen. Ideal ist eine Wäscheklappe, so landet die Kleidung direkt in der Waschküche. Außerdem ist ein Vorratsraum neben der Garage empfehlenswert, um keine Pollen durch das Haus zu tragen.

Regelmäßige Raumpflege und gründliches Staubsaugen sind ein Muss. Statt herkömmlicher Geräte sollten Allergiker Modelle mit sogenanntem HEPA-Filter („High Efficiency Particulate Airfilter“) wählen, mindestens H13. Er filtert kleinste Staubpartikel. Im Neubau ist ein Zentralstaubsauger, der die Abluft direkt nach draußen leitet, eine sinnvolle Alternative.

Wichtig ist auch richtiges Lüften: Auf dem Land abends, in der Stadt morgens, wenn die Pollenkonzentration jeweils niedrig ist. Eine Lüftungsanlage sorgt komfortabel und automatisch für Frischluft.

Beim Heizen gilt: Strahlungswärme erzeugende Heizungen eignen sich für Allergiker besser als mit Konvektionsheizkörper. Bei klassischen Heizkörpern steigt die erwärmte Raumluft hoch, unten wird kalte Luft angesogen, der Luftstrom wirbelt Staub auf und die Atemwege werden belastet. Fußboden- und Wandheizungen, Rand- oder Fußleistenheizungen erzeugen Strahlungswärme und sorgen für ein angenehmes Klima – ohne Staub aufzuwirbeln. 

Schutzgewebe fürs Fenster halten Allergieauslöser wie Pollen sicher draußen. (djd/Neher)Allergikerfreundlich Ausbauen und Einrichten  
Ausdünstungen aus neuen Möbeln, Textilien, Wand- und Bodenbelägen können besonders bei Kleinkindern zu Atemwegserkrankungen führen. Selbst auf Ungeborene können sie negativ wirken, das Immunsystem schädigen und das Kind anfälliger für Infektionen und Allergien machen. Das berichtete das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung 2003. In der Schwangerschaft und bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes (dann ist das Immunsystem stabiler) sind Renovierungsarbeiten für (werdende) Mütter daher tabu!

Neue Möbel sollten mindestens vier Wochen auslüften, bevor das Kind im Zimmer schläft. Das gilt auch für Kinder- und Babyprodukte. Selbst Natur-Materialien, sorgen sie zwar für ein emissionsarmes, oft für Allergiker angenehmes Raumklima, können Allergene enthalten.

Doch schon Kleinigkeiten helfen, ein allergikerfreundliches Wohnumfeld zu schaffen: Verzichten Sie beispielsweise auf Vorhänge und offene Regale und wischen Sie glatte Böden möglichst alle zwei Tage.

Böden mit Kunststoffbeschichtung sind Staubfänger, da sie elektrostatische Aufladung begünstigen. Anders ist es bei Holzböden. Hier sollte jedoch auf Lack und Versiegelung verzichtet werden – geölt sind sie ebenso widerstandsfähig. Pflegeleicht und zumeist schadstofffrei ist Kork: Das Korksiegel garantiert geringe Ausdünstungen, verbietet Pestizide und Flammschutzmittel. Fliesen wegen Lösungsmitteln nicht verkleben, sondern mit Mörtel verlegen!

Auch Teppichboden gilt mit Ausnahmen als allergikerfreundlich. Er bindet Allergene, die Belastung in der Luft wird geringer. Eine Studie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes und der Gesellschaft für Umwelt und Innenraumanalytik bestätigt dies. Er muss einen kurzen Flor haben und regelmäßig gereinigt werden. Am besten sind Naturfasern wie Sisal oder Ziegenhaar, die zudem die Luftfeuchtigkeit regulieren. Wegen Kleber oder bei mit Giften ausgestatteten Importen auf Qualitäts- und Umweltzeichen achten!

Vorsicht ist auch bei Farben und Tapeten angebracht: Konservierungsstoffe, Kunstharzkleber und Kunststoffe, sogar Biofarben, wasserlösliche Dispersionsfarbe und Naturharzlacke können Allergien auslösen. „Ökotest“ rät Allergikern zu Silikat- und Kalkfarben. Ökologische Raufasertapete oder reiner Kalkputz schaffen ebenfalls eine allergikerfreundliche und wohngesunde Wandgestaltung – auch für Nicht-Allergiker!