bautipps.de Das Fertighaus- und Massivhaus-Portal
Newsletter

 

Die richtige Technik fürs intelligente Haus

12.02.2014

Um das zu steuern, benötigen Sie ein Bussystem. "In diesen oder ähnlichen Worten erfahren viele Bauherren bei der Haus-Planung zum ersten Mal, dass auch in den eigenen vier Wänden vermeintlich Personennahverkehr unterwegs ist. Doch was verbirgt sich hinter dem Wort? Und welche Alternativen gibt es in Sachen Heimsteuerung?

Transportmittel für Steuerdaten
Im Technik-Jargon steht ein Bus für eine Datenleitung, die Informationen vieler hintereinander geschalteter Geräte gemeinsam transportiert. Die Daten im Bus nehmen dabei neben der Nutzinformation, also zum Beispiel „Licht aus“, auch Infos über Absender und Empfänger des Befehls mit. Übersetzt: So wie der Fahrgast an der Bushaltestelle anhand der Linien-Nummer erkennt, ob er ins richtige Fahrzeug einsteigt, so erkennt auch ein Gerät im Datenbus an den Steuerdaten, ob eine Information seine Arbeit betrifft oder nicht.
 
So funktioniert auch der KNX-Bus, der Klassiker unter den Heimsteuerungs-Systemen. Das Schema zeigt die unterschiedlichen System-Komponenten: Eingabegeräte heißen hier Sensoren. Dazu zählen Taster, berührungsempfindliche Bildschirme (Touch Screens), Wärme- oder Wettersensoren sowie Türklingel und Fensterschalter. Sie sind über den Bus miteinander und mit der Steuerungstechnik verbunden. Letzere ist meist zentral installiert, häufig beim Sicherungskasten. Dort sitzen in einem KNX-System die Schalter für alle elektrisch gesteuerten Einrichtungen im Haus – die so genannten Aktoren. Sie sind ebenfalls mit dem Bus verbunden und lösen die Schalt- oder Regelbefehle aus. Es gibt Licht-Aktoren, solche zur Steuerung der Fenster-Rollos, der Heizung und für alle anderen elektrischen Einrichtungen im Haus. 

Das Prinzip KNX: Der Steuerungsbus verbindet alle Raumschalter, Fühler und Bedienterminals, die sogenannten Sensoren, untereinander und zusätzlich auch mit der Zentrale. Dort sitzen der Server und die Auslöser für alle gesteuerten Geräte: die Aktoren. Sie sind die eigentlichen Schalter für jede einzelne Lampe, Jalousie oder andere Geräte.

In der Basisausstattung einer KNX-Anlage steuern die Sensoren definierte Aufgaben der Aktoren an. Die Zuordnung wird einmalig konfiguriert. So lässt sich jeder Schalter im Haus mit jedem schaltbaren Gerät verbinden. Ein Tastendruck neben dem Bett kann etwa die Kaffemaschine in der Küche beziehungsweise deren Stromversorgung einschalten.

Intelligenz erfährt das System, indem man es mit einem Heimserver ergänzt. Erst damit ist es möglich, Abläufe im größeren Stil zu automatisieren, also etwa die Kaffeemaschine zeitgesteuert zu starten, um dann fünf Minuten später den Kaffeeduft mit einem ebenfalls zeitgesteuerten Ventilator ins Schlafzimmer umzuleiten sowie Licht und die HiFi-Anlage aufzudrehen.

Der Server ist ebenfalls an den Bus angeschlossen und dient sozusagen als Daten-Veredler. Er kann einen Tastendruck im hintersten Zimmer in zehn vorprogrammierte Befehle übersetzen. Und der Server stellt die Verbindung zur Außenwelt her – zum Beispiel zum Funk-Datennetz, über das sich die Anlage dann per Smartphone oder Tablet-PC steuern lässt.

Die Bus-Verkabelung
Wer auf eine Bussteuerung setzt, der muss seine Gebäudeverkabelung darauf anpassen: Alle Sensoren und Aktoren werden über den Bus miteinander verbunden. Jeder Lichtkreis und jeder andere Verbraucher wird dagegen direkt mit einer Stromleitung an seinen zuständigen Aktor angeschlossen. Eine direkte Verbindung etwa vom Lichtschalter im jeweiligen Zimmer zur Deckenleuchte gibt es nicht mehr. Die Steuerung dazu lässt sich modular planen und ergänzen.

Planer kalkulieren für eine KNX-Basisinstallation ohne Server je nach Wohnfläche und Zahl der Verbraucher Mehrkosten zwischen 10000 und 20000 Euro im Vergleich zu einer klassischen Elektroinstallation. Für den Server und dessen Progammierung kommt gut und gerne derselbe Preis obendrauf. Es gibt allerdings auch günstigere Bussysteme.

Nachrüsten per Funk

Prinzip Funk-Steuerung: Eine zentrale Basisstation regelt alle Vorgänge im Haus. Sie schickt per Funksignal Steuerungsbefehle an die ins System eingebundenen Schalter. Umgekehrt empfängt der Server per Funk Informationen vom Bedienterminal, von Fühlern und Funkschaltern. Die einzelnen Komponenten sitzen in der Regel verteilt im Haus in der Nähe der gesteuerten Geräte und Einrichtungen. Rademacher<br />

Neben Bussystemen gibt es immer mehr Steuerungssysteme, die Licht, Heizung und andere Einrichtungen per Funk kontrollieren. Das Schema des Rademacher Home-Pilot zeigt den grundsätzlichen Aufbau: Ein zentraler Funkserver nimmt Befehle und Programmierungen der Bedienteile entgegen – in der Regel ist er auch an das heimische Datennetz angeschlossen und ermöglicht so die Steuerung per Tablet und Smartphone, teils sogar von außerhalb via Internet.

Sensoren sind in den verschiedenen Räumen des Hauses angebracht und übertragen ihre Informationen drahtlos. Im Gegensatz zu Bussystemen sitzen die Aktoren, also die eigentlichen Schalter, nicht zentral beim Heimserver, sondern meist direkt beim jeweiligen Verbraucher, also am Rollladenmotor oder im elektrischen Dachfenster.

Bei Funksystemen erweitert in der Regel jeder Baustein auch das Funknetz. So werden außer dem Funkserver keine zusätzlichen Antennen notwendig, um die Signale in entlegenen Ecken des Hauses zu transportieren. Es gibt Funksysteme mit Schaltern, Dimmern und Sensoren zur nachträglichen Installation ebenso wie für die Unterputz-Installation.

 

Weitere Systeme

Der LCN-Bus bietet sich als günstige Alternative zu KNX an. Er stammt von der Firma Issendorff und ist dezentraler aufgebaut: Gesteuert wird hier ebenfalls über Taster und Schalter im Raum sowie mit zentralen Touchscreen-Bedienterminals. Die Intelligenz steckt aber nicht in einem zentralen Server, sondern verteilt über das ganze Haus in den verschiedenen Aktoren und Schaltern. Die werden nicht an einer Stelle installiert, sondern in der Regel im selben Raum wie die jeweiligen Verbraucher.

Laut LCN-Installateuren lässt sich mit dieser Technik eine komplette Heimsteuerung mit automatisierten Abläufen und unterschiedlichen Szenen schon ab etwa 10000 Euro realisieren. Konkurrenten geben zu bedenken, dass das gesamte System an einem einzigen Hersteller hängt. Es gibt allerdings eine recht breite Unterstützung von Installateuren für das LCN-System.

Das Crestron-System ist in den USA verbreitet. Es basiert wie KNX auf einem Bussystem mit Schaltern und Sensoren sowie einem zentralen Server, der eher auf die Steuerung der Medientechnik als der Heizung oder Lüftung spezialisiert ist. Crestron hat laut Installateuren gegenüber KNX-Systemen Vorteile bei der Steuerung von Licht, Verdunklung und Heimkino-Geräten. Das System bietet auf Wunsch eine eigene Multi-Room-Anlage und eine quasi verlustfreie Verteilung von hochauflösenden Videosignalen im ganzen Haus.

Welches System?

Wenn Sie die Wahl zwischen mehreren Anbietern und verschiedenen Systemen haben, dann lassen Sie sich Ihre Lösung von jedem skizzieren. Wählen Sie dann das für Sie schlüssigere Paket. Wichtiger als die Hardware ist, dass sich Ihr Haus im Alltag intuitiv steuern lässt.

Schlagwörter: