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Smarthome: Cleverer sparen

10.10.2016

Foto: Reinhard Otter

Foto: Reinhard Otter

Auf der einen Seite wogt sanft eine Wiese im Wind, auf der anderen ruhen Grabsteine in Frieden unter einer hundertjährigen Eiche. Dazwischen sorgt eine schier endlose Reihe an Photovoltaikelementen auf der Friedhofsmauer dafür, dass im heiligsten Haus von Kollerschlag die Lichter nie ausgehen. Wer durch den oberösterreichischen Ort, wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, spaziert, der stößt mehrfach auf recht auffällige Solar-Installationen.

Sparpotenziale der Technik ideal ausnutzen

Der Grund: In Kollerschlag befindet sich die Zentrale des Smarthome-Spezialisten Loxone. Der Hersteller hat sich in den letzten Jahren neben der Steuerung von Licht, Musik, Rollos und Heizung auch auf das Energiemanagement in Plus-­Energie-Häusern spezialisiert.

Eben diese Aufgabe entwickelt sich immer mehr zu einer der Kernanwendungen der Smarthome-Technik. Schließlich sinken die Einspeisevergütungen für selbst erzeugten Solarstrom immer weiter, während sich die mittlerweile erschwinglichen Anlagen gerade dann rentieren, wenn man möglichst viel der mit ihrer Hilfe erzeugten Energie selbst verbraucht. Bei der Optimierung des Selbstverbrauchsanteils kann Smarthome-Technik entscheidend helfen, etwa indem sie wesentliche Verbraucher automatisch aktiviert, sobald Sonnenstrom zur Verfügung steht.

Loxone demonstriert dies nicht nur in der Kirche am Firmenstandort, wo die Solaranlage zusammen mit einer Hausbatterie vor allem die LED-Beleuchtung versorgt. Der Hersteller betreibt auch ein Showhome, in dem interessierte Kunden die Anwendungen des Miniservers und dessen Steuerung live erleben können. Es ist mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ausgerüstet, die neben elektrischen Verbrauchern im Haus auch eine Elektro-Ladestation versorgt. Dabei kann der Smarthome-Autopilot etwa dafür sorgen, dass das angeschlossene Elektroauto bevorzugt dann geladen wird, wenn die Sonne genug Strom liefert. Beim Probewohnen wird aber schnell klar, dass der Loxone-„Haus-Autopilot“ viel mehr leistet.

Foto: Baufritz

Baufritz Musterhaus „Alpenchic“: Das Musterhaus zeigt, wie vielfältig die Energieversorgung in den eigenen vier Wänden möglich ist. Neben einer Solaranlage liefern ein Windrad und eine Brennstoffzelle Energie. Für das Energiemangement und die Visualisierung der Erzeuger und des Eigenverbrauchs kommt ein Smarthome-System auf Basis der batterielosen EnOcean-Funktechnik zum Einsatz. Die Regie führt hier das System „MyHomeControl“ vom Schweizer Anbieter BootUp. Es steuert alle Geräte so, dass möglichst wenig Strom bezogen werden muss. Foto: Baufritz

Er sorgt etwa stets mit möglichst geringem Energieeinsatz für ein ideales Raumklima. Die Heizung lässt sich je nach Nutzung der Räume im Haus programmieren. Unterstützt wird sie dabei durch die Rollo-Steuerung. Im Winter etwa öffnet sich die Beschattung automatisch an den Fensterfronten, die gerade von der Sonne beschienen werden. Im Sommer werden eben diese Fenster selbsttätig verschattet. Auch die Beleuchtung kann auf die Anwesenheit der Bewohner reagieren. In Durchgangsräumen etwa wird sie von Bewegungsmeldern aktiviert und nach kurzer Zeit – wenn keine Bewegung mehr registriert wird –  wieder abgeschaltet. In Wohnräumen lässt sich das Licht auch für unterschiedliche Situationen programmieren, z.B. dimmen und farblich anpassen. Das erfolgt wahlweise über programmierte Wandtaster oder über die Loxone-App.

Bewohnerwünsche stehen im Mittelpunkt

Die automatische Steuerung von Beleuchtung oder Rollos lässt sich allerdings jederzeit vom Bewohner korrigieren. Die Loxone-Macher legen Wert darauf, dass manuelle Eingriffe stets möglich sind und die Automatik nicht gleich wieder dazwischenfunkt.

Ähnlich wie sich Photovoltaikanlagen und Hausbatterien in den letzten Jahren zum Standardprogramm in immer mehr Neubauten entwickelt haben, bieten auch Haushersteller immer häufiger die dazu passende Automatisierungstechnik an. Loxone-Miniserver und die zugehörige Steuerungstechnik etwa kommen in Häusern von Bien-Zenker und Hanse Haus optional zum Einsatz. Ihre Funktionen lassen sich dabei individuell an die Kundenwünsche anpassen. In neueren Musterhäusern der Hersteller ist das System in der Regel voll funktionsfähig verbaut, teilweise auch mit Photovoltaikanlagen und Hausbatterien.

Die Steuerung harmonisiert Stromertrag und Verbrauch

Neben dem Komfort steht auch bei anderen Herstellern das Energiemanagement an erster Stelle, wenn sie Smarthome-Technik in ihren Häusern einsetzen. Bau­fritz etwa sorgte mit seinem 2014 in Poing bei München errichteten Musterhaus „Alpenchic“ mit einem sehr vielseitigen Energie­konzept für Furore: Das Haus nutzt mit Sonne, Wind und Kraft-Wärme-Kopplung gleich drei Energiequellen zur Energieerzeugung. Für einen sinnvollen Einsatz dürfen sich die verschiedenen Quellen aber nicht in die Quere kommen: Scheint also die Sonne oder bläst der Wind, dann heizen auch diese Energiequellen das Wasser für die Heizung auf. Die Heimsteurung sorgt in diesem Fall dafür, dass die Brennstoffzellen-Heizung nicht anspringt. Diese Rahmenbedingungen koordiniert das Smarthome-System „MyHomeControl“, das die verschiedenen Energiesysteme über deren unterschiedlichen Schnittstellen überwacht und befehligt.

Ganz ähnlich funktioniert die Kooperation zwischen dem Heimserver „MyGekko“, dem Hauskraftwerk von E3/DC und der Batterie, die in Okal-Häusern mit Solaranlage zum Einsatz kommen.  Das Hauskraftwerk kann sogar die Batterie eines angeschlossenen Elektroautos als Energiepuffer nutzen.

Foto: Okal

Okal Musterhaus: In neuen Musterhäusern von Okal führt die Top-Marke der Deutschen Fertighaus Holding das Zusammenspiel zwischen Solaranlage, Batteriespeicher, Hauskraftwerk und Smarthome-System vor. Okal setzt die Automationslösung MyGekko vom italienischen Hersteller Ekon GmbH ein. Das Smarthome-System kommuniziert über das Heimnetzwerk mit dem sogenannten Hauskraftwerk von E3/DC. Letzteres regelt die Energieflüsse zwischen Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Haustechnik sowie auf Wunsch einer Elektrotankstelle. Dankder intelligenten Vernetzung kann das MyGekko-Steuerungssystem elektrische Verbraucher je nach Verfügbarkeit von Sonnenstrom ein- oder ausschalten und so etwa bei Stromüberschuss den Wasserspeicher beheizen. Daneben liefert das System einen Überblick über die Energieflüsse im Haus.  Foto: Okal

Doch in Plus-Energie-Häusern sollten neben der Erzeugung auch Verbraucher wie Licht, Rollos oder Hausgeräte in die Steuerungstechnik integriert sein. Nur so kann das Haus flexibel auf variablen Stromertrag reagieren, Verbraucher als Energiepuffer nutzen und so unnötige Netzeinspeisung verhindern – etwa den Gefrierschrank, der mit Sonnenstrom mittags unter minus 18 Grad herunter kühlt, um später im Sparbetrieb wieder auf normale Frosttemperatur zu gelangen. Eine weitere Aufgabe der Smarthome-Technik ist die Anzeige der Energieflüsse und -bilanzen. Das macht die Funktion der Anlage transparent und schärft so den Sinn fürs Energiesparen.

Welche weiteren Möglichkeiten die Kombination aus Stromerzeugung, Hausbatterie und Energiemanagement bringen kann, zeigt Beegy, ein Tochterunternehmen des Mannheimer Energieversorgers MVV, des Netzwerkspezialisten Greencom Networks und des Solartechnik-Lieferanten BayWa. Der Anbieter schnürt aus Photovoltaikanlage, Hausbatterie und einem vernetzten Energiemanager einen Stromtarif mit Verbrauchs-Flatrate. (aus der Zeitschrift bauen! 8/9 2016)



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