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Smarthome Elektroinstallation planen

19.10.2018

Die Elektrotechnik wandelt sich – zu klassischen Funktionen kommen mit Smarthome, Vernetzung und Energiemanagement neue Anforderungen und Möglichkeiten hinzu. Lesen Sie, wie Sie heute ein Haus planen, das modern ist – und bleibt.

Viele Funktionen auf einem Mehrfach-Taster zusammengefasst. Foto: Jung

Mit einer KNX-Businstallation lassen sich viele Funktionen auf einen Mehrfach-Taster zusammenfassen. www.jung.de

Smart oder klassisch? Schick oder zweckmäßig? Und wie viele Leuchten, Elektrogeräte und Anlagen möchte ich eigentlich anschließen? Die Planung der Elektroinstallation klingt auf den ersten Blick tatsächlich kompliziert. Doch wer das Ganze etwas strukturiert angeht, der hat es halb so schwer.

Steckdosen zählen lohnt sich

Bei der Planung wird festgelegt, wie viele abgesicherte Strom-, einzeln schaltbare Lichtkreise und Steckdosen pro Raum installiert werden. Die Elektro+ Initiative gibt dafür nach der DIN 18015-2 und einer entsprechenden Erweiterung klare Vorgaben für jeden Raum. Die Varianten werden in drei Klassen mit einem, zwei oder drei Sternen nach den Ausstattungswerten der RAL-RG 678 definiert. Die Klassenaufteilung und die zugehörige Zahl an Stromkreisen, Lichtanschlüssen und Steckdosen gibt jedoch nur einen Anhaltspunkt und dient vor allem der Vergleichbarkeit verschiedener Angebote.

In der Praxis hat jeder Haushalt andere Anforderungen, wie etwa ein Arbeitszimmer mit Computer und mehreren Peripheriegeräten, eine hochwertige HiFi-Anlage im Wohnzimmer oder ein Heimkino im Keller. Bauherren sollten für solche Räume und ihre Spezial-Anwendungen auf jeden Fall gesonderte Sicherungen vorsehen und genug Steckdosen einplanen, so dass möglichst jedes Element der technischen Ausstattung direkt über Einzel- und möglichst nicht über nachgerüstete Mehrfachsteckdosen angeschlossen werden kann. Letztere sehen nicht nur unordentlich aus: Vor allem größere Verbraucher, die über Steckerleisten mit dem Stromnetz verbunden sind, stellen ein Brandrisiko dar. Steckkontakte können altern und korrodieren und dann auf Dauer leicht Kurzschlüsse auslösen – im Extremfall mit brandgefährlichen Folgen für das Haus.

Das Auge schaltet mit

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Schalterdesign. In der Regel entscheidet man sich für ein einheitliches Erscheinungsbild, also eine bestimmte Schalterserie. Ob dann beispielsweise von Jung die schlichte „Tasterserie A“ zum Einsatz kommt, der Designklassiker „LS-990“ oder die neuen, flächenbündigen „LS-Zero“ Komponenten, macht für das Erscheinungsbild des Wohnraums einen großen Unterschied – und auch fürs Budget. Einen Überblick auf Hardwarekosten und Preisunterschiede bietet hier der Hersteller selbst: Das Online-Planungstool „Jung by Feelsmart“ berechnet nach der Eingabe der vorhandenen Räume die Materialpreise für verschiedene Schalterserien und Ausstattungsniveaus und erleichtert Bauherren und Elektrikern so die Arbeit.

Smarthome - Heimserver mit Touchscreen. Foto: Gira

Ein Heimserver mit Touchscreen und Automatiken kann auch später noch eingerichtet werden. www.gira.de

Smarthome oder nicht?

Die Entscheidung für Smarthome-Technik können Sie nach und nach treffen. Doch im Neubau sollte die Elektroinstallation zumindest dafür vorbereitet sein. Das bedeutet, statt klassischer Lichtschalter werden je zwei Geräte eingesetzt: ein zentral im Schaltschrank installierter Aktor, der den Stromkreis pro Leuchte schließt, sowie Taster, die diese Aktoren aus der Ferne ansteuern. Die Zuordnungen von Taster und Zentral-Schalter lassen sich in diesem Aufbau frei programmieren, ein Taster kann dabei einen oder mehrere Verbraucher ansteuern. Vorteil: Man kann diese Zuordnung jederzeit umprogrammieren oder eben mehrere Verbraucher zu einer Szene zusammenschalten.

Eine smarthome-taugliche Installation gibt es in verschiedenen Ausführungen. In KNX-Bustechnik ist sie meist deutlich teurer als die klassische Elektroinstallation – mit Enocean-Funktechnik hingegen kaum.
 Einen echten Kostenfaktor – aber auch einen großen Komfortgewinn – stellt erst ein Heimserver dar. Diese Smarthome-Steuerzentrale wird zusätzlich installiert und kann die Heizung, Beleuchtung, Beschattung und andere Funktionen im Haus automatisiert betätigen. Sie wertet Meldungen von Präsenz-Sensoren oder führt Befehle je nach Tageszeit und Rahmendaten aus. So können beispielsweise täglich bei Sonnenuntergang die Rollos herabgelassen werden – sofern niemand zu Hause ist. Neben der zusätzlichen Hardware erfordert die Hausautomation auch eine Planung und Programmierung durch einen Fachmann – den Systemintegrator. Mit einer Elektroinstallation, die „Smarthome ready“ ausgeführt ist, kann die automatische Steuerung ganz bequem auch nachträglich ergänzt werden. So lässt sich mit einem überschaubaren Budget eine Elektroinstallation planen, die selbst in ein paar Jahren noch ganz auf der Höhe der Zeit ist – vor allem aber erweiterbar.    

(aus der bauen. 4/5-2018)



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