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Smarthome Wissen: Kinderleicht gespart

10.04.2017

Smarthome. Foto: Hager

Foto: Hager

Wer ein neues Haus bauen möchte, hat die Qual der Wahl: Wie umweltschonend soll es sein? 

Grundsätzlich gilt: Neubauten, die nach der Energieeinsparverordnung 2014 eine Baugenehmigung erlangen, sind bereits äußerst ökologisch. Sie müssen eine effektiv gedämmte und dichte Haushülle aufweisen, die kaum noch unkontrolliert Wärme nach außen entweichen lässt. Wer nun noch zusätzlich in smarte wie ökologische Haustechnik investiert, kann weiter Geld sparen und die Umwelt zusätzlich entlasten: Denn technisch ist es heute problemlos möglich ein Haus zu bauen, das fast keine Heizenergie mehr benötigt und diese sogar noch selbst erzeugt. 

Erste Wahl für ökologisch bewusste Bauherren ist dabei die Nutzung regenerativer Energien. Zu den „grünen“ Heizsystemen zählen Holzheizungen  ebenso, wie Solarsysteme und Wärmepumpen. Mit ihrer Hilfe können Warmwassererzeugung und Heizung effizient und CO2-arm betrieben werden.

Info

Automatisch betriebene Außensonnenschutzprodukte können den Wärmeeintrag im Sommer um bis zu 90 Prozent verringern. Klimageräte werden so überflüssig. Rollläden mit Steuerung tragen in der kühlen Jahreszeit zur Verringerung der Heizkosten um etwa 10 Prozent bei.

Quelle: www.itrs-ev.com

 

Grüne Technik spart Energie

Ergänzend werden sogenannte Effizienzhäuser, weil sie sehr dicht gebaut sind, meist mit einer automatischen Lüftungsanlage ausgestattet. Diese gibt es als Zentralanlage oder in Form von dezentral im Haus eingebauten Lüftungsgeräten. Beide sorgen für einen steten Austausch von verbrauchter, feuchter Luft gegen saubere, frische, was für ein nachhaltig gesundes Wohnumfeld unabdingbar ist. 

Zu den neuesten technischen Entwicklungen gehört die Ausstattung des Eigenheims mit einer Photovoltaikanlge und passender Hausbatterie. Diese Häuser sind in der Lage, einen Großteil des Haushaltsstrombedarfes selbst zu decken und sich so von fossilen Energien weitgehend unabhängig zu machen. 

Fantastische Möglichkeiten. Zum einen für Bauherren mit einem hohen Umweltbewusstsein – denn niedrige Verbräuche stehen für niedrige CO2-Emissionen. Zum anderen für all jene, die den Gedanken, sich von der Wankelmütigkeit der großen Energieanbieter unabhängig zu machen, besonders ansprechend finden, also einen hohen Grad an Energieautarkie anstreben.

Musterhaus "Natur Design". Foto: Baufritz

Das Musterhaus „NaturDesign“ von Baufritz ist ein KfW-Effizienzhaus 40 Plus mit einem smarten Energiekonzept: Die Photovoltaikanlage und der große Batteriespeicher sind mit Heizung, Lüftung und Wetterstation per Bus-System miteinander vernetzt, um erstens möglichst wenig Energie und wenn, dann möglichst viel des selbst erzeugten Solarstroms direkt im Haus zu verbrauchen. Die Wetterstation auf dem Dach liefert aktuelle Daten, damit sich Rollläden und Holzlamellenläden automatisch nach der Wetterlage richten. Selbst erzeugter Solarstrom wird entweder direkt verbraucht, in der Batterie gespeichert oder dazu genutzt, mit der Wärmepumpe einen Pufferspeicher auf  Vorrat zu heizen. Das Energiemanagement sowie die Steuerung der Gebäudetechnik erfolgt meist bequem vollautomatisch über den KNX-Bus. Manuelle Eingriffe, etwa bei Beleuchtung, Heizung oder zur Aktivierung von Sicherheitsfunktionen, sind aber jederzeit möglich: Auf einem Touchpanel oder per Smartphone-App können die Bewohner alle Funktionen bedienen. Foto: Baufritz

 

Optimiert dank Vernetzung

Die einzelnen Haustechnik-Komponenten an sich sind heute technisch ausgereift und haben sich in der Praxis bewährt. Doch um ihre Möglichkeiten in puncto Effizienz möglichst optimal auszunutzen, müssen sie auch zusammen, also als System funktionieren. Warmwasser kann z.B. auf Vorrat dann produziert werden, wenn die Sonne scheint und PV-Strom erzeugt wird.    

Ist der Warmwasserspeicher „voll“, könnte die Temperatur der Gefriertruhe „auf Vorrat“ um ein paar Grad weiter abgesenkt, eine Hausbatterie befüllt oder das Elektroauto betankt werden. Aber auch ohne Photovoltaik-Anlage und Hausspeicher, kann durch clevere Haustechnik viel gespart werden: Fahren Rollos oder Jalousien bei Sonnenschein rechtzeitig herunter, heizt sich das Haus nicht so sehr auf und muss anschließend nicht aufwändig gekühlt werden. In der kalten Jahreszeit kann viel Geld gespart werden, wenn die Heizungsanlage nur dann Wärme liefert, wenn auch tatsächlich jemand zu Hause ist, der sie benötigt. 

Bislang musste man Jalousien und Heizung selbst betätigen. Modernere Systeme bieten schon seit einiger Zeit auch Fernsteuerung per App an. Cleverer, komfortabler und vor allem energieffizienter ist es allerdings, diese Vorgänge mithilfe sogenannter Smarthome-Technologie zu automatisieren. Dann entscheidet das Heimnetzwerk – je nach individueller Programmierung – wann welches Szenario energetisch sinnvoll ist.

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Musterhaus. Foto: Okal

In seinen neuen Musterhäusern, wie diesem in Günzburg, führt Okal vor, wie Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Hauskraftwerk dank Smarthome-System otimal zusammenarbeiten. Der Haushersteller setzt auf die Automationslösung „my Gekko“, dessen Basis-Ausstattung die Grundlage für einen individuellen Ausbau der Haussteuerung bildet. „my Gekko“ kommuniziert über das Heimnetzwerk mit dem „Hauskraftwerk“ von E3/DC. Letzteres regelt die Energieflüsse zwischen Photovoltaik-Anlage, Batteriespeicher und Haustechik sowie einer optionalen Elektrotankstelle. Dank Vernetzung kann das Steuerungssystem elektrische Verbraucher je nach Solarstrom-Verfügbarkeit ein- oder ausschalten und z.B. bei Stromüberschuss den Wasserspeicher beheizen. Daneben liefert das System einen Überblick über Energieflüsse im Haus. Foto: Okal


 

Kommunikation ist Trumpf

Dabei kommunizieren die einzelnen Geräte miteinander und können z.B. durch Informationen der Wettervorhersage aus dem Internet, automatisch ihre optimale Betriebsweise finden. Die meisten Smarthome-Systeme können außerdem den Stromverbrauch der angeschlossenen Elektrogeräte messen und übersichtlich aufzeigen. Dieses Monitoring von Energieverbräuchen ist eine ganz praktische Hilfe, um das eigene Alltagsverhalten energieeffizienter zu gestalten. 

Inzwischen gibt es viele Anbieter von Smarthome-Systemen, die diese Energieotimierung bewerkstelligen. Neben kabelgebundenen Systemen gibt es auch solche, die auf Funkbasis operieren.

Wichtig bei der Auswahl ist es, dass Sie festlegen, was sie alles steuern wollen. Neben den energetisch sinnvollen Anwendungen, wie Heizung, Lüftung, Beschattung und Licht, können z.B. auch Sicherheitsanwendungen, Hi-Fi-Anlage und Fern
seher sowie manche Hausgeräte ins Heimnetzwerk integriert werden.

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Tipp

Viele Elektrogeräte im Haushalt werden nach Gebrauch nicht komplett abgeschaltet, sondern laufen weiter auf Standby. Dazu gehören oft Fernseher, Stereo-Anlagen, Computer samt Bildschirmen oder Mikrowellen-Geräte. Dadurch können jährlich Stromkosten von bis zu 100 Euro entstehen. Mithilfe von ins Heim-netzwerk integrierten, schaltbaren Steckdosen, können diese Kosten reduziert werden. Sie schalten z.B. nachts die Stromzufuhr automatisch ab.

Wer sich für ein Fertighaus entscheidet, bekommt heute bei fast allen Anbietern auf Wunsch eine Heimsteuerung, da viele Hersteller sich dessen bewusst sind, dass ihre sehr sparsamen, aber eben auch mit viel Technik ausgestatteten Effizienzhäuser, sonst in der Praxis nicht die erwarteten, niedrigen Energieverbräuche aufweisen. Bauherren, die ein „Effizienzhaus 40 Plus“ – die höchste Förderklasse der Kreditanstalt für Wiederaufbau – bauen möchten, müssen zur Erlangung der staatlichen Förderung die Energieflüsse im Haus visualisieren, d.h. sie benötigen dann ohnehin eine Basisvernetzung.

 

Was kostet das?

Die Kosten für eine smarte Energieoptimierung hängen vom Umfang des Heimnetzwerkes und vom gewählten System ab. Ab etwa 3 000 Euro lässt sich ein durchschnittliches Haus zu Smarthome machen. Nach oben ist die Skala natürlich offen. Sehr günstige Einzellösungen, die z.B. aus elektronischen Heizkörperthermostaten mit Steuerzentrale bestehen, können ein Einstieg sein, stellen aber vor allem im Neubau meist keine nachhaltige Option dar.

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Info

Durch die Visualisierung der Energieverbräuche im Haus,durch vernetzte Energiemonitore, erfährt man, wo die echten Stromfresser im Haus zu finden sind. So kann man allein durch einen bewussteren Umgang bis zu 25 Prozent seiner Stromkosten sparen.

Interessierte sollten sich auf alle Fälle gut beraten lassen. Eine individuelle Planung der Smarthome-Ausstattung ist ein absolutes Muss, damit man später auch von den gewünschten Energieersparnissen profitieren und den vollen Komfort genießen kann. Andernfalls droht Ärger über technische Unzulänglichkeiten oder im schlimmsten Fall das Gefühl von der Technik seines neuen Zuhauses völlig überfordert zu sein. Spezielle Experten, sogenannte Systemintegratoren, sind Anspechpartner für die Planung von Smarthometechnik. Die Ausführung erfolgt dieser entsprechend dann durch einen versierten Elektro-Handwerksbetrieb.

(aus der Zeitschrift bauen. 2/3-2017)